Inner Wheel Club Erfurt-Gotha - International Inner Wheel Distrikt 88

10. Deutschlandtreffen in Erfurt

„Auf Luthers Pfaden“ - Impressionen

zusammengestellt von  Angelika Grae, Lotte Justi, Regine Scherer, Kristina Schleiff IWC Erfurt-Gotha, Lilo Ammer IWC Tegernsee, Dr. Falk Oesterheld und Heinrich Schleiff RC Erfurt

 

Eine erwartungsfrohe  Begrüßungsabordnung  des IWC  Erfurt-Gotha  freute sich am  Freitagnachmittag im Augustinerkloster in Erfurt auf das Eintreffen der 400 Gäste des 10. Deutschlandtreffens, das unter dem Motto „Auf Luthers Pfaden“ stand.  Inner Wheelerinnen aus insgesamt 108 Clubs mit Partnern aus 50 Rotaryclubs hatten sich auf den Weg nach Erfurt gemacht.

 

 Anschaulich, auch auf die Aspekte der Ökumene eingehend, führte der Reformationsbeauftragte der Thüringer Landesregierung, Herr Dr. Seidel , in der geschichtsträchtigen Kirche, in der Luther zum Priester geweiht wurde,  in die Thematik ein. Der Begrüßungsabend wurde durch ein  gemeinsames  Abendgebet und hörenswerte Orgelmusik abgerundet. Das  Abendessen nutzten Gastgeberinnen und Gäste  zu fröhlichen  Begegnungen/ Wiedersehen  und Gesprächen.

 

  Etwa 150 bestens gelaunte  Inner Wheelerinnen mit Partnern gingen  dem Wirken Luthers in Erfurt  nach und erfuhren  von seinem Leben  als Student  an der historischen „Universitas Studii Erfordiensis“, auch „Hierana“ (an der Gera liegend) genannt, wo  in den damaligen Studentenheimen, den Bursen, strenge Regeln herrschten.  Auch Luthers  Eintritt in den Augustinerorden, seine Lebensumstände  und  seine Predigten in der Kaufmannskirche wurden anschaulich beleuchtet. Daneben  überraschte der Spaziergang durch die Altstadt die Besucher mit manchem  malerischen Ausblick und kleine Pausen wurden zum Probieren bei Erfurts  angesagter Chocolaterie „Goldhelm“ genutzt. Nach der erholsamen Mittagspause ging es auf den Domberg in den Mariendom, wo  Interessantes zur Geschichte des Bistums Erfurt und des Doms mit seinen Kunstwerken  zu erfahren war.

Nicht nur die Spuren Luthers zogen die Besucher in die Altstadt, sondern auch das “Jüdische Erbe“  in Erfurt. Alte Synagoge, Mikwe, kleine Synagoge, Fundort des jüdischen Schatzes…..die Wege sind kurz und die Dichte und Fülle beeindruckt. Der erklärte Höhepunkt des Spaziergangs war der Besuch der alten Synagoge mit der Präsentation der Grabplatten , der gefundenen Schriften und des jüdischen Schatzes,  dessen Stücke, insbesondere der Brautring ,  heute teilweise nicht nur einmalig in Deutschland, sondern gar in der Welt sind. Der Reiseleiter verstand es, bei dem Stadtrundgang  das Leben und Leiden der Erfurter Juden im Laufe  der vergangenen Jahrhunderte eindrucksvoll vor Augen zu führen.

 Die Teilnehmer waren von der Schönheit der Stadt und auch von den rustikalen Gaumenfreuden begeistert  und versicherten, Erfurt nicht zum letzten Mal besucht zu haben.

 

 

Eisenach und die Wartburg, untrennbar mit Luther verbunden, waren einer großen Gruppe die Reise wert.  Unter  sachkundiger Führung wurde schon auf der Fahrt  die reiche Kulturlandschaft, die man von der Autobahn aus sehen kann, erläutert  und auf die bedeutenden Residenzstädte aufmerksam gemacht, allen voran Gotha  mit seiner beachtenswerten barocken Kultur. In  Eisenach “erklomm“ man zunächst die zum Weltkulturerbe gehörende und sehr gut restaurierte Wartburg .

 

Die  Führung durch die Burg beleuchtete neben dem Reformator auch  das Wirken der Heiligen Elisabeth von Thüringen  am Beispiel der schönen Fresken von Moritz von Schwind.  Interessante  Ausführungen zur  Denkmalpflege vervollständigten den Rundgang. Natürlich fehlte auch  die Besichtigung der Lutherstube nicht, in der „ Bruder Martin“ als Junker Jörg 1521 das Neue Testament ins Deutsche übersetzte.  Die Eisenacher Schülerjahre  Luthers und  sein Leben und Wirken brachte die sehenswerte Ausstellung im Lutherhaus den Besuchern vor der Rückkehr nach Erfurt  nahe.    

 

Luthers Pfade verließen auch die 28 Gäste, die sich nach Bad Frankenhausen und den Kyffhäuser aufmachten nicht und wurden in ihren Erwartungen nicht enttäuscht.  Schon der kurze Fußweg zum Tübke Panorama in Bad Frankenhausen bot bei sonnigem Wetter nicht nur einen herrlichen Blick darauf, sondern Naturfreunden auch allerhand Interessantes,  Blühendes am Wegesrand. Das riesige Panoramagemälde mit dem Titel „Frühbürgerliche Revolution“  von dem Leipziger Maler Werner Tüpke 1976 bis 1987 erstellt , wurde von einer Reiseführerin hervorragend erklärt und faszinierte alle Teilnehmer .

 

Im Anschluss ging es weiter zum Kyffhäuser Denkmal.  Der Aufstieg war etwas  anstrengend,  die gute Fernsicht bis zum Brocken entschädigte jedoch für manche Mühsal .  Auch begeisterte auch hier eine sehr gute Führerin die Mitreisenden , so dass das in den Berg gehauene Barbarossadenkmal  bleibende Eindrücke vermittelte.  Eine bereitstehende Pferdekutsche erleichterte „Fußlahmen“ den Rückweg zum Bus.

 

50 Gäste lockte ein Besuch der Klassikerstadt Weimar.  Bei herrlichem Sonnenschein führte der Weg indirekt nach Osten, rechterhand die Hänge der Vorberge des Thüringer Waldes, linkerhand das weite Thüringer Becken. Der Reiseleiter nutzte die Zeit, einen Überblick über die reiche Geschichte Thüringens zu geben. Bonifatius,  Karl der Große, Friedrich Barbarossa spielten dabei  ebenso eine Rolle wie die Heilige Elisabeth, Martin Luther,  der Schwedenkönig  Gustav Adolph und Napoleon I.    Der Anblick des Ettersberges mit seinem Mahnmal  erinnerte an das KZ Buchenwald, das für eine besonders dunkle Seite der deutschen Geschichte steht.
Weimar ist zum Einen geprägt durch die Repräsentanten der „goldenen Klassik“, Herzogin  Anna Amalia, Großherzog Ernst August, Goethe, Schiller, Herder  und Wieland, zum Anderen aber auch von der „silbernen Klassik“ ca. 50 Jahre später mit Großherzogin  Maria Pawlowna, Liszt, Wagner und weiteren bekannten Musikern.  Zwei  fachkundige und lebendige Stadtführungen stellten die wesentlichen Sehenswürdigkeiten vor: Goethe- und Schillerhaus, Stadtschloss, Musikhochschule Franz Liszt, Bauhausuniversität, Deutsches Nationaltheater und Herderkirche.  Ein Highlight war der Besuch der Anna Amalia Bibliothek, die nach dem verheerenden Brand vor einigen Jahren in ihrer Rokokopracht wiedererstanden ist.  Auch nach diesem dicht gedrängten Programm  wurden auf der Rückfahrt noch diverse Fragen an den  Reiseleiter  zur aktuellen  Situation des Freistaats Thüringen gestellt.  Ein erlebnisreicher Tag!  

 

Die Reise zum barocken Universum Gotha war ein weiteres Angebot, das gerne angenommen wurde. Per Bus ging es durch die Frühlingslandschaft in die ehemalige Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha. Erster Besichtigungspunkt war der Schlosspark von Friedenstein, die älteste Gartenanlage nach englischem Vorbild auf dem europäischen Festland. Das Schloss selbst hat gewaltige Ausmaße, es ist eine frühbarocke Anlage, die größte in Deutschland. Zwei mächtige Türme schließen den riesigen Innenhof ab. Im Schloss selbst ist das barocke Ekhoftheater mit seiner aufwendigen Bühnenmaschinerie aus dem 17. Jahrhundert zu bewundern. Darüber hinaus sind verschiedene kostbare Sammlungen und die Prunkräume zu besichtigen.

 

Dem Schloss gegenüber befindet sich das herzogliche Museum,  das im 19. Jahrhundert errichtet wurde. Von einer Terrasse aus konnte man den alten barocken Garten bewundern und die ihn begrenzenden Bauten der Orangerie. Von der Nordseite des Schlosses blickt man auf die historische Altstadt. Beim Weg hinunter zum Rathaus passiert man die sogenannte Wasserkunst, eine Bewässerungsanlage, die neben ihrem praktischen Wert mit ihren Springbrunnen und Gartenanlagen ein wunderschönes Bild abgibt. Nach einer Besichtigung der alten Gassen der Stadt war es Zeit, etwas für die müden Füße und gegen den Hunger zu unternehmen. Nicht weit vom Zentrum ist das „Hotel am Schlosspark“, das mit einem vorzüglichen Buffet die müden Geister wieder erfrischte. Der Nachmittag war ausgefüllt mit einer Besichtigung des herzoglichen Museums, das neben bedeutenden Gemälden auch Skulpturen, ägyptische und asiatische Kunst und Keramiken zeigt. Den Abschluss bildete ein Rundgang durch die Forschungsbibliothek Gotha, wo Handschriften, insbesondere zum Weltkulturerbe gehörende Schriften Luthers und alte Drucke faszinierten. Alles in allem ein ausgefüllter Tag, der Lust auf einen neuerlichen Besuch machte.

 

Der anregende Tag endete mit dem Galaabend  im  Kongresszentrum  der Messe Erfurt, festlich  dekoriert  in den InnerWheel  Farben. Wir freuten uns über Grußworte der Nationalen Repräsentantin, Frau  Margareta Momkvist, der Distriktspräsidentin des 88. Distrikts, Frau Monika Schneider-Runge, der Governorin des Rotary Distrikts 1950, Frau Christine Büring  sowie des Erfurter Oberbürgermeisters, Herrn  Andreas Bausewein.  

 

Höhepunkt des Abends war unbestritten die Festrede der ehemaligenThüringer  Wissenschaftsministerin und langjährigen Präsidentin des Thüringer Landtages, Frau Prof. Dagmar Schipanski .
Sie würdigte in ihrer Ansprache die Arbeit von Inner  Wheel und Rotary, insbesondere deren herausragendes soziales Engagement. Unter Bezug auf die vormittags  im Rahmen des Deutschlandtreffens angebotenen Touren gelang es  ihr hervorragend, den Zuhörern die interessante Kultur- und Geistesgeschichte Thüringens nahe zu bringen. Am Beispiel  Jenas machte sie auf die enge Verzahnung von industrieller Entwicklung und  Naturwissenschaften aufmerksam. Bei der Benennung weiterer bedeutender Thüringer Städte spielten auch die Geistesgrößen eine gewichtige Rolle, die dort lebten oder leben. Neben den herausragenden Persönlichkeiten  der Weimarer Klassik widmete Frau Prof. Schipanski  Martin Luther und Johann Sebastian Bach besondere Aufmerksamkeit. Sie verdeutlichte, dass Luther nicht nur der große Reformator war, sondern auch der Begründer der evangelischen Kirchenmusik, die in Johann Sebastian Bach einen ihrer absoluten Höhepunkte erreichte. Die Festrednerin bezog sich auf die bis heute wirkenden positiven Impulse der Reformation, wie Toleranz, Bildung und Weltoffenheit. Sie ermunterte sehr nachdrücklich dazu, unseren Kindern und Enkeln diese Werte zu vermitteln und sie  zu Deutschen Staatsbürgern in einem freien und geeinten Europa zu erziehen. Mit lang anhaltendm Beifall und „standing ovations“ bedankte sich die Versammlung für diese engagierte und ermunternde Rede.

 Bei angeregten Gesprächen, gutem Essen und virtuosem, erfrischendem  Gesang des Erfurter Kammerchores  klang der Abend aus.

 

Am Sonntagmorgen lockte bei strahlendem Wetter Erfurts „Blumenparadies“, die Erfurter Gartenbauausstellung, auf Entdeckungstour zu gehen. Neben Führungen durch den Skulpturenpark,  das Gartenbaumuseum und die Pflanzenschauhäuser  konnte man auch einfach   beim Cafe in den verschiedenen Restaurants entspannen, mit der EGA Bahn durch den Park fahren , die Begegnungen mit den Freundinnen  und die gelöste Atmosphäre genießen. Da fiel der Abschied Allen schwer.

Schön war`s! Der Inner Wheel Club Erfurt-Gotha sagt: Danke für den Besuch und auf Wiedersehen beim Deutschlandtreffen in Baden-Baden.